SIBO und der Verlust natürlicher Mikroben

Bacillus subtilis und die unterschätzte Rolle der mikrobiellen Vielfalt: Was Dr. William Davis über SIBO und verlorene Mikroben erklärt

Einleitung

Dr. William Davis beschäftigt sich seit vielen Jahren mit einer entscheidenden Frage:
Warum wirkt das menschliche Mikrobiom heute instabiler als in früheren Generationen?

Eine seiner Kernthesen lautet, dass unsere moderne Lebensweise dazu geführt hat, dass bestimmte Mikroorganismen – früher alltäglicher Bestandteil unserer Umgebung – aus unserem Leben weitgehend verschwunden sind. Einer dieser Mikroorganismen ist Bacillus subtilis, ein natürlicher Umweltkeim, der über viele Jahrtausende hinweg Teil der menschlichen Ernährung gewesen sein könnte.

Dieser Blogartikel fasst die wesentlichen Gedanken von Dr. Davis zusammen und ordnet sie sachlich ein.

Die unsichtbare Lücke: Mikroben, die früher allgegenwärtig waren

Über den größten Teil der Menschheitsgeschichte nahm der Mensch täglich Mikroorganismen aus seiner Umwelt auf:

  • aus Erde
  • von Pflanzenoberflächen
  • aus unbehandelten Lebensmitteln
  • aus natürlichem Wasser

Mit Industrialisierung, Verpackungstechnik und modernen Hygienestandards änderte sich das grundlegend:

  • Lebensmittel werden gründlich gewaschen
  • Oberflächen werden sterilisiert
  • Produkte werden hitzebehandelt
  • natürliche Keime werden weitgehend entfernt

Dr. Davis weist darauf hin, dass dadurch Mikroorganismen verloren gingen, die evolutionär betrachtet immer Teil des menschlichen Gleichgewichts waren. Bacillus subtilis gehört zu jenen Mikroben, die früher regelmäßig aufgenommen wurden, heute jedoch kaum noch vorkommen.

SIBO als Ausdruck moderner mikrobieller Veränderungen

Ein wesentlicher Punkt der Analyse von Dr. Davis betrifft SIBO, die Dünndarmfehlbesiedlung. Dabei befinden sich im Dünndarm Mikroorganismen in Konzentrationen, die dort normalerweise nicht vorkommen.

Wichtig ist sein Perspektivwechsel:

  • SIBO ist nicht nur ein Zuviel bestimmter Bakterien.
  • SIBO kann auch ein Zuwenig anderer Mikroorganismen sein, die früher für Balance sorgten.

Mit anderen Worten:
Der Dünndarm kann gleichzeitig überfüllt und unterversorgt sein.

Diese Idee macht verständlich, warum moderne mikrobielle Veränderungen oft komplexer sind, als es auf den ersten Blick scheint.

Warum Bacillus subtilis für Dr. Davis eine besondere Rolle spielt

Bacillus subtilis ist ein natürlicher Umweltmikroorganismus, der in Erde, Pflanzen und natürlichen Oberflächen vorkommt. Früher gelangte er damit regelmäßig in den menschlichen Körper.

Dr. Davis hebt mehrere Eigenschaften hervor:

1. Sporenbildung

Bacillus subtilis bildet stabile Sporen, die:

  • Hitze überstehen
  • Trockenheit tolerieren
  • Magensäure überleben

Damit können diese Sporen Bereiche des Verdauungssystems erreichen, die für andere Mikroorganismen unzugänglich sind.

2. Aktivierung im Dünndarm

Es gibt Beobachtungen, dass Bacillus subtilis im Dünndarm aus Sporen keimen kann.
Für Davis macht das den Organismus im Kontext von Dünndarmprozessen besonders interessant.

3. Produktion von Bakteriocinen

Bakteriocine sind Peptide, die Mikroorganismen zur Regulation ihres Umfelds einsetzen.
Davis sieht hierin ein mögliches Beispiel natürlicher mikrobieller Steuerung.

4. Bildung von Biofilmen

Die Fähigkeit, strukturierte Biofilme zu bilden, deutet darauf hin, dass Bacillus subtilis Teil mikrobieller Netzwerke sein kann, die früher im menschlichen Körper häufiger existierten.

Bacillus subtilis als Modell für mikrobielles Gleichgewicht

Dr. Davis verwendet Bacillus subtilis nicht als therapeutische Empfehlung,
sondern als Modell, um etwas Grundsätzliches sichtbar zu machen:

  • Mikroben, die früher alltäglich waren, fehlen heute.
  • Das Mikrobiom des modernen Menschen ist nicht nur „anders“, sondern oft auch ärmer geworden.
  • Diese Veränderungen könnten erklären, warum Ungleichgewichte wie SIBO häufiger auftreten.

Bacillus subtilis steht für Mikroorganismen, die über viele Generationen Teil der Umwelt waren – und deren Abwesenheit heute neue Fragen aufwirft.

Die entscheidende Erkenntnis: Mikrobielle Vielfalt war früher selbstverständlich

Dr. Davis betont, dass nicht der menschliche Körper sich drastisch verändert hat,
sondern die mikrobielle Umgebung, in der wir leben:

  • Früher nahmen Menschen täglich Mikroben aus der Natur auf.
  • Heute konsumieren wir überwiegend sterile Produkte.

In diesem Zusammenhang betrachtet Davis Bacillus subtilis als Beispiel für verloren gegangene Vielfalt – nicht als Lösung, sondern als Hinweis darauf, wie eng der Mensch früher mit Umweltmikroben verbunden war.

Fazit

Die Überlegungen von Dr. William Davis zeigen, wie stark moderne Lebensweise und Ernährung das Mikrobiom beeinflussen können. Bacillus subtilis dient ihm als anschauliches Modell für Mikroben, die früher natürlicher Bestandteil der Umwelt waren und die möglicherweise eine Rolle im mikrobiellen Gleichgewicht – insbesondere im Dünndarm – gespielt haben könnten.

Dr. Davis interpretiert SIBO nicht nur als Überwucherung bestimmter Keime, sondern auch als mögliche Folge eines Rückgangs natürlicher mikrobieller Vielfalt. Die Frage, welche Mikroorganismen uns heute fehlen, ist damit ein zentraler Bestandteil des Verständnisses moderner Mikrobiomforschung.

Autor: Andreas Kraus
Inhaber & Geschäftsführer · Fachliche Leitung

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